Jahrgang 
121 (2018) / N.S. 72
Seite
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Literatur der Volkskunde

nen hätte es leicht zu einer Überfrachtung des Textes mit ausgreifendenGrundsatzerörterungen kommen können. Trotz der interdisziplinärenVernetzungen z. B. mit der Ethnologie, der Soziologie oder der Philo-sophie verliert sich die Autorin an keiner Stelle in kulturtheoretischenExkursen, die nicht selten allein zu der Einsicht führen, die oder der Ver-fasser In habe fleißig Lektüre betrieben.

Durch den ethnographischen Zugang und den wahrnehmungsanthro-pologischen Zuschnitt betritt Sieferle nicht nur Neuland im Bereich derkulturwissenschaftlichen Pilger- und Wallfahrtsforschung. Ihre Studieträgt maßgeblich dazu bei, die diversen subjektiven Motive der involvier-ten Menschen besser zu verstehen. Darüber hinaus macht Sieferle die kul-turanthropologische Religiositäts- und Spiritualitätsforschung an aktuelleinterdisziplinäre Körper- und Wahrnehmungsdebatten anschlussfähigund hilft somit, eine Forschungslücke zu verkleinern.

Mirko Uhlig

Sahar Sarreshtehdari: ,, Das ist so typisch persisch!"

Eine Untersuchung diasporischer Erinnerungskulturen am Beispielder zweiten Generation iranischer MigrantInnen in Deutschland(= Münchener Beiträge zur Interkulturellen Kommunikation 29).Münster: Waxmann Verlag 2017, 332 Seiten.

Sahar Sarreshtehdari legt mit ihrer Dissertation, mit der sie am Münch-ner Institut für Interkulturelle Kommunikation promovierte, eine Studiezu diasporischen Erinnerungskulturen am Beispiel der zweiten Genera-tion iranischer Migrant* innen in Deutschland vor. Ihre Studie basiert aufden Forschungsfragen, welche Narrative das kollektive Gedächtnis derUntersuchungsgruppe prägen, welches Konzept des Iranisch- seins sich

in diesen Narrativen offenbart und wie sich diese Konstruktionen aufdie Lebensgestaltung im Diaspora- Kontext auswirken. Sarreshtehdaribetont dabei die transnationalen Dynamiken und präsentiert eine Studie,die Erinnerungskulturen nicht im nationalstaatlichen, sondern im trans-nationalen Kontext untersucht. Am besten lässt sich ihre Betrachtungs-weise wohl mit der akteursbezogenen Perspektive des Postmigrantischen,wie sie unter anderen Naika Foroutan erläutert, beschreiben. Diese willErfahrungsmomente und lebensweltliche Aushandlungen der zweiten

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