Aufsatz in einer Zeitschrift 
Neue Lust am Spektakel : Wissensvermittlung als ästhetische Praxis – Was der Begriff zur Kulturanalyse beitragen kann
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Alexander Renz, Helen Ahner

Neue Lust am SpektakelWissensvermittlung als ästhetischePraxis Was der Begriff zurKulturanalyse beitragen kann

Ich weiß, ich weiß- Sie hatten schon in Wien/Die Fenster, die Balkons voraus gemietet/

Die Schlacht hätt' ich mit Schimpf verlieren mögen,/Doch das vergeben mir die Wiener nicht,/Daß ich um ein Spektakel sie betrog.( Wallenstein, Friedrich Schiller)

Quarantäne, Abstandsregeln, Versammlungsverbote, Social Dis-tancing- eine bestimmte Gattung von Veranstaltungen leidet beson-ders an den zur Eindämmung der Corona- Pandemie getroffenenMaßnahmen: Spektakel! Ereignisse, die davon geprägt sind, dass sichviele ZuschauerInnen versammeln und nahekommen. Großveranstal-tungen wie Konzerte, Sportevents, Filmfestivals oder Ausstellungs-eröffnungen sind bis auf Weiteres abgesagt oder zumindest in eineungewisse Zukunft verschoben. Die gegenwärtige Ausnahmesituationbringt Spektakel aller Art zum Erliegen und führt uns eindrucksvollvor Augen, was wir an ihnen hatten. So manche überkommt in derCorona- Isolation die Sehnsucht nach Nähe und Veranstaltungen,ja sogar Menschenmassen. Auch und gerade der Kulturbetrieb lei-det unter Covid- 19. Alles in allem kein schlechter Zeitpunkt, um dasSpektakel auf sein Potenzial hin zu befragen, zumal sich Krisen undZeiten des Umbruchs grundsätzlich gut eignen, um aus einer kultur-wissenschaftlichen Perspektive über Dinge nachzudenken.

Den Begriff des Spektakels als analytisches Werkzeug einerkulturwissenschaftlichen Betrachtung von Wissensvermittlung in denBlick zu nehmen, war das Ziel der Tagung, die wir im Oktober 2019