Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde28 (1923) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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28 (1923) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Als richtigen Weltenbaum finden wir den Baum bei den trans-sylvanischen Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunern, ¹) nur stark verblaßt und von Zauberei ver-dunkelt. In der Christnacht kann man nach ihrem Glauben den Allsamen-Baum sehen, von dessen Zweigen Honig träufelt und in dessen Ästen wunder-bare Vögel leben. Sein Ende trägt eine riesige Schlange im Maul. Er ragtbis in den Himmel und hat verjüngende Kraft. Sein Anblick macht gesundund jung. Um ihn sichtbar zu machen, wird ein Zauber mit zwei Bäumen,einem Weidenbaume, dessen Zweige kunstreich in Knoten geknüpft sind,und einem Tannenbaume, angestellt. Am ersten Christtage werden die beidenBäume verbrannt. Männer und Frauen führen vorher in einer zusammen-hängenden Reihe einen Tanz auf, indem sie drei Schritte vorwärts und dreiSchritte rückwärts schreiten und dazu singen. Zum Schlusse rufen sie: O roter,o schwarzer, o weißer Vogel! Gib uns Brot!

Mit dem Klausenbaume aus Tölz hängen wohl auch die sogenanntenNikolaus Gärten im Salzburgischen zusammen. Das Museum für Volks-kunde in Wien besitzt einen solchen, der in der Stadt Salzburg von einemalten Manne namens Pfister angefertigt wurde.

Auf einem mit Moos bedeckten Brettchen steht in einer Art Laubeder heilige Nikolaus, rechts hinter ihm der Teufel mit Rute undKette im schwarzen Pelzkleide. Die Laube ist vorne durch einen grünen Zaunmit 13( 121) aufrechten Latten abgeschlossen. An den Ecken rechts undlinks zwei rote Stangen mit je einer goldenen Nuß an der Spitze. Dem Auf-baue nach zeigt die Laube Beziehungen zum Lichterbaume. Anden vier Ecken sind die größten Tannenzweige, die offenbar Bäume vor-stellen sollen, eingesetzt und dazu kommt noch einer in der Mitte rückwärts,der besonders regelmäßige Verzweigung aufweist und hinter dem der heiligeNikolaus steht. Denken wir uns den Lichterbaum aus der Mitte zwischen diezwei rückwärtigen Bäumchen gerückt, so haben wir die gleiche Anordnung.Diese fünf größten Bäumchen sind oben miteinander verbunden und stelleneine Art Kuppel dar. Der Raum zwischen diesen fünf großen Bäumchen ist regel-mäßig durch kleinere dazwischen ausgefüllt, so daß wir im ganzen 12 Bäumchen( Rätsel im Schahname) zählen. Vor dem heiligen Nikolaus liegen drei Äpfel ausWachs und auf den grünen Zaunlatten stecken drei weiße Wachslichter.

Ich halte diesen Baum für ein schönes Beispiel unbewußter Über-lieferung, die uns beide so ungemein häufig im Bereiche der Volkskundesich wiederholenden Zahlen nebeneinander zeigt, die alte drei unddie jüngere zwölf.( Schluß folgt.)

Druckfehlerberichtigung: Heft 3, S. 43, Z. 7 hat es zu heißen: einen 27tägigen

Mondmonat.

Eine volkskundliche Erkundungsreise im Aostatale( Piemont).

( Vorläufige Mitteilung.)

Von Dr. Eugenie Goldstern, Wien.

Um über die volkskundlichen und hauskulturellen Beziehungen zwischenSavoyen, dessen einschlägige Verhältnisse ich in meiner Arbeit:» Hochgebirgs-volk in Savoyen und Graubünden, I. Bessans. Volkskundliche monographische1) Wlislocki, Festbräuche der transsylvanischen Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner, Glob. 54, S. 316.