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Ethnographische Chronik aus Österreich.
564. Das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib, welches mit ihrem neugeborenen Kinde zum Priester geht, damit erihr das Reinigungsgebet liest, soll beim Austritt aus dem Hause und bei der Rückkehr nachHause über ein Messer und Kohlen schreiten, damit es weder selbst noch ihr Kind verschrienwerde und ihnen nichts Böses zustoße.
565. Wenn die Hunde den Mond anstarrend bellen, so wird Krieg folgen.
566. Das Mädchen, welches Wäsche wäscht und dabei ihre Kleidungsstücke nass
macht, wird einen Säufer zum Mann bekommen.
567. Am hl. Abend vor der Erscheinung Christi soll man den Kehricht nicht ausdem Zimmer hinaustragen, denn ansonst trägt man das Glück aus dem Hause.
568. Er ist nicht rathsam, ein Thier mit einer Dornkirschruthe zu schlagen, dennansonst würde dasselbe an Blut erkranken.
569. Die Kiefer soll darum knotig sein, weil sie von Gott verflucht wurde in An-betracht dessen, dass die in die Hände und Füße Christi eingeschlagenen Nägel aus Kiefer waren.570. Wenn ein Kind Convulsionen hat, so wird das Kind, wenn es den Anfall be-kommt, aus der Molter, wo es gelegen ist, herausgenommen und dieselbe über das Kind um-gekehrt und dann daran ein neuer Topf zerschlagen, worauf es gesunden wird.
571. Um ein Kind von Convulsionen zu heilen, nimmt man neun Schaffüße, kocht siean einem Fasttage in einem neuen Topfe in unangefangenes Wasser, womit man dann das Kindvor den heiligen Bildern vor Sonnenaufgang, zu Mittag mitten im Zimmer und dann vor Sonnen-untergang bei der Thür badet und dann sogleich das Bad hinausschüttet; tritt die Heilung nichtnach einem eintägigen Bade ein, so muss dieses an Montagen, Mittwochen und Freitagen wieder-holt werden.
572. Hat sich jemand am Feuer verbrannt, so soll er sich mit der Schafnierenfettigkeit.die nicht mit Wasser in Berührung gekommen ist, schmieren und mit pulverisiertem Schafmistüberstreuen
573- Die Brandwunde heilt, wenn man in ein Stück Speck Hafer gibt und dasselbe.dann in einen Teller mit Wasser legt und den Hafer anzündet, worauf der Speck schmilzt, mitwelchem Schmalz dann die Wunde geschmiert wird.
574. Es ist gut, den vom Kinde abfallenden Nabeltheil aufzubewahren und dann demErwachsenen zu geben, damit es, wenn es ein Knabe ist, scharfsinnig die Lebren auffasse, wennes aber ein Mädchen ist, geschickt sei im Nähen und Weben.
575. Ist ein Kind erschrocken, so ist es gut, dasselbe mit einem Stück von einemPriesterornate oder mit einer aus dem Rauchfass herausgefallenen Kohle zu räuchern oder dem-selben, während es schläft, etwas Chrisam mittelst eines Federchens ins Ohr zu tröpfeln.
576. Ist jemand durch Kohlendunst betäubt, so soll er sich auf den Fußboden nieder-legen und warmes Wasser auf den Kopf auflegen, aber gar kein Wasser trinken.
577. Wurde jemand von einem wüthenden Hunde gebissen, so soll er ein StückTaxbaum pulverisieren und dieses Pulver mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit trinken.
578. Der Ort, wo jemand von herabgestürzten Erdschollen getödtet wurde, wird un-rein gehalten und jeder, der in der Nacht dort vorbeikommt, muss irre gehen.
579. Hört man in der Nacht einen Ruf beim Fenster, so ist es nicht rathsam, beimersten Ruf weder zu antworten, noch hinauszugehen, denn man könnte verunglücken oder sterben,oder die Sprache verlieren, denn der Rufende ist ein böser Geist; wenn aber draußen dreimalgerufen wird, so kann man antworten oder hinausgehen, weil der Rufende ein reiner Geist oderMensch ist.
III. Ethnographische Chronik aus Österreich.
Photographie und Volkskunde. Bereits im Jahre 1896 ist in dieser ZeitschriftII., S. 183 ff. ein dringender Appell an alle Amateurphotographen gerichtet worden, die Volks-kunde durch fleißige Aufnahmen volkskundlicher Objecte unterstützen zu wollen. Es wurdendamals in einem Aufsatz, betitelt: Die« Photographie im Dienste der Volkskunde»eine Reihe von Themen für photographische Aufnahme genannt. In analoger Weise wendet sich