Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Petak.

Todtendichtung.

Aus dem Nachlasse Josef Schwarzbach's, herausgegeben von Dr. Arthur Petak,

Klagenfurt.II.

Im Mai Juni- Heft des II. Jahrganges( 1896) dieser Zeitschriftp. 180 ff. machte Josef Schwarzbach auf die sogenannten» Sterbe-andenken« aufmerksam und theilte, nach einigen Bemerkungen überdie auf derartigen» Sterbbildern« beliebten Darstellungen, eine kleineAuswahl solcher Todtendichtungen mit. Die Fortsetzung dieser Mit-theilungen war bereits im Manuscript fertiggestellt, als der strebsameMann seinem Berufe durch den Tod entrissen wurde. Im Auftragedes Vereines für österreichische Volkskunde veröffentliche ich nunjenes Manuscript, indem ich zunächst die einleitenden WorteSchwarzbach's mittheilte.*)

>> Die Sitte, den Verstorbenen Sterbeandenken in Form vonbedruckten Todtenbildern zu widmen, scheint nicht viel weiterals etwa dreissig Jahre zurückzureichen; denn in meiner aus allenTheilen des Landes Salzburg zusammengestellten Sammlung vonmehr als eintausend Stück sind nur einzelne aus den Sechziger-jahren und ein einziges aus früherer Zeit. Dagegen vergrössertsich ihre Zahl in den Achtziger- und Neunzigerjahren, und siedringen allgemach ins salzburgische Gebirge vor.

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Die Sterbeandenken sind die Parte des Landbewohners.Wie diese enthalten sie zumeist alle bezüglichen Mittheilungen,mit Wegfall Desjenigen, was die» Ansagerin« bekanntgibt, dasist Tag und Stunde des Begräbnisses; dagegen findet sich nochals Zusatz ein Gebet, ein Bibelspruch oder in der Mehrzahlder Fälle ein aus dem Volke hervorgegangener, mehr oderminder gelungener Vers. Da übrigens die Drucker auf Verlangenihrer bäuerlichen Besteller auch die Verse liefern, so muss manauf die Scheidung zwischen den letzteren und den wirklich volks-thümlichen bedacht sein, obgleich nicht übersehen werden darf,dass auch die gedruckten Spruchsammlungen Vieles aus demVolke geschöpft haben.

Ganz vereinzelt wird auch eine Miniaturphotographie desVerstorbenen über dem Namen angebracht. Auf der Kehrseitefinden sich, von einem Trauerrand umgeben, Heiligenbilder( Holzschnitt, Stahlstich, Farbendruck) von grösserer oder geringererFeinheit der Ausführung. Zweifellos ist der Bilderindustrie indiesem Zweige des Todtencultus ein weites Feld eröffnet worden.

Die Vertheilung dieser Sterbeandenken findet gewöhnlichwährend des gottesdienstlichen Opferganges in der Kirche statt.Die damit betraute Person stellt sich vor dem Offertorium hinterdem Altare auf und reicht jedem Vorübergehenden das Bild, was* Mit kleinen stylistischen Aenderungen.