Kleine Mittheilungen.
Die Moresca von Curzola.
Mitgetheilt von Vid Vuletić- Vukasović, Ragusa.
51
Neben der Alka, dem Rennen von Sinj, verdient das am 15. Juli( am Theodorstage)eines jeden Jahres in Curzola aufgeführte Ritterspiel„ Moresca"*) Beachtung. Dem Spieleliegt folgende Handlung zugrunde. Der Mohrenkönig Glossar ::: zum Glossareintrag Mohrenkönig will eine Schöne, die er zur Sclavingemacht hat, für sich gewinnen, die ihrerseits in den weissen König verliebt ist und vondiesem zurückerobert wird. Die Könige sind in eigenthümliche, reiche Costüme ge-kleidet, ebenso die gefesselte Sclavin und die Ritter. Jeder ficht mit zwei Säbeln. DasSpiel ist in mehrere Scenen( Figuren) eingetheilt. Der Mohrenkönig Glossar ::: zum Glossareintrag Mohrenkönig tritt mit der Sclavinvor, welche um Freiheit fleht und ihm erklärt, dass seine Liebeswerbungen aussichtslosseien. Der Mohr Glossar ::: zum Glossareintrag Mohr setzt seine Werbungen fort, erblickt aber den weissen König mit seinerSchaar und stellt sich kampfbereit. Nach einigen gegenseitigen Erklärungen kreuzen dieKönige die Schwerter, der weisse König beugt leicht das Knie, zum Zeichen, dass er dieForderung annimmt, die Musik setzt ein und die Krieger treten paarweise( ein Mohr Glossar ::: zum Glossareintrag Mohr, einWeisser vis- à- vis) vor. Nun fallen die Hiebe nach dem Tact der Musik, wobei die FechterAngriffs- und Rückzugsbewegungen ausführen. Es gibt neun Fechtfiguren: die Forderung,wie bereits erwähnt, der„ rugjer"( Einleitungskampf), die eigentliche„ Moresca", in welcherdie Fechter eine concentrische Figur, immer fechtend, bilden, wobei Funken sprühenmüssen. Hierauf Ruhepause, welche die Fechter stets nach dem Tact marschirendausfüllen. Die Finta ist ein wuchtiger Angriff der Mohren Glossar ::: zum Glossareintrag Mohren, welchen die Weissen, fechtend,dabei aber eigenthümlich aufspringend, abwehren. Nun tritt Ruhe ein, etwa ein Waffen-stillstand. In der fünften Figur„ moro indentro" wechseln die Fechter, stets fechtend.die Plätze, kehren aber wieder auf den ursprünglichen Platz zurück.„ Paripie“ ist einewahre Schlacht. Es wird abwechselnd stehend und kniend gefochten. Dabei müssen dieMobren besondere Wuth zeigen. Hierauf Ruhepause im Marsche. Das Kreuz ist dem„ rugjer“ ähnlich, es endet aber mit anscheinend regellosem Fechten. Die Spagnoletta hatzwölf Unterfiguren, wird jedoch wegen der besonderen Schwierigkeit schon seit Decenniennicht mehr gespielt. In der Schlussfigur„ rugjer de forivia" wird nur noch eine kurzeWeile gefochten, worauf die Mohren Glossar ::: zum Glossareintrag Mohren plötzlich niederknien. Die weissen Sieger kreuzenüber die Köpfe der Mohren Glossar ::: zum Glossareintrag Mohren die Schwerter, die Mohren Glossar ::: zum Glossareintrag Mohren legen die Waffen ab und derSclavin werden die Ketten abgenommen. Das Spiel wird mit einem Hurrah beendigt. DieSclavin schreitet neben dem weissen König und Alles zieht nun unter klingendem Spielab. Man erzählt, die Moresca sei im 18. Jahrhundert von einem Priester namens LucaFerro aus Spalato nach Curzola eingeführt worden. Historisch ist dies nicht nachgewiesenEs ist eher anzunehmen, dass das Spiel aus Curzola nach Spalato kam, dort aber keineWurzel fassen konnte. Die Curzolaner führten die Moresca in Constantinopel vor Vezieren,ja vor den Sultanen auf. Im Jahre 1875 wurde das Spiel vor Seiner Majestät dem Kaiserund anfangs der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts vor dem Erzherzog Raineraufgeführt. Die Moresca ist ein mittelalterliches Ritterspiel, welches, in Spanien zur Zeitder Maurenherrschaft entstanden, nach Dalmatien verpflanzt wurde. Es fehlt aber jedeNachricht über das erste Auftreten der Moresca in Curzola. Die slawische dramatischeDichtung zu dem Spiele lieferte ein unbekannter Dichter, allerdings zweiten Ranges. SeinPoem drang aber in das Volk und kann daher als curzolanische Volksdichtung betrachtetwerden, umsomehr, als es die typischen dialectischen Merkmale einer solchen besitzt.Vor einigen Jahren lieferte Piasevoli eine gelungene italienische Uebersetzung.
Moreška.
Bula, Moro, Otmanović i Osman.
Bula.
Ostav' me se... molbe tvoje
neplodne su cić razloga,
jer liposti ove moje
ljubi drugi, a ja drugoga.
Slatki Osmane, brate mili,da bi vidio sada, kakotužno srce moje cviliradi tebe, dobro svako!
*) Dalmatien. Mittheilungen. Nr. 4-5. I. Jahrg. 1901.
4