Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVI/ 105

WISCHERMANN, Clemens, Stefan HAAS( Hg.): Körper mit Geschich-te. Der menschliche Körper als Ort der Selbst- und Weltdeutung.(= Studienzur Geschichte des Alltags, Bd. 17). Stuttgart, Franz Steiner Verlag, 2000,345 Seiten, s/ w- Abb.

Das seit Jahren verstärkte Interesse der Geschichts- und Kulturwissenschaf-ten am Körper manifestiert sich in einer Vielzahl einschlägiger Publikatio-nen, wobei auffällt, daß dieses Interesse häufig Sammelbände mit rechtheterogenen Beiträgen zeitigt. Um einen solchen handelt es sich auch beimvorliegenden Band, der aus mehreren Workshops an der Universität Münsterhervorgegangene Aufsätze von Historiker/ inne/ n und Psycholog/ inn/ en ent-hält. Das Vorwort macht nicht ganz klar, worin der konkrete gemeinsameNenner der Beiträge besteht, sondern verweist lediglich auf einige sehrallgemeine Aspekte, die die grundlegende Bedeutung des Körpers betonensollen. Als leitende Ausgangshypothese wird ein Zitat von Umberto Ecoabgewandelt: ,, Man könnte die ganze Geschichte der Ethik unter demAspekt der Rechte des Körpers und der Beziehung unserer Körper zur Weltneu lesen dies gilt laut Herausgeber auch für die Geschichte der Men-schen allgemein. Und: Der menschliche Körper sei eine zentrale Kategoriemenschlicher Sinndeutung und Handlungsorientierung. Wie die ChiffreKörper zu füllen wäre, soll in diesem Band unter Einbeziehung von An-stößen aus der Geschlechtergeschichte, der Historischen Verhaltensfor-schung, der Historischen Anthropologie und der Psychologie diskutiertwerden. Dies geschieht in der Regel explizit an jeweils unterschiedlichentheoretischen Konzepten orientiert. Den Auftakt bildet der Beitrag vonClemens Wischermann, in dem er fragt: Geschichte des Körpers oderKörper mit Geschichte?" Der restliche Band ist in die Kapitel ,, Kategorienund Konzepte" und ,, Institutionalisierungen eingeteilt. In ersterem findensich folgende Beiträge: Franz Breuer: Wissenschaftliche Erfahrung und derKörper/ Leib des Wissenschaftlers. Sozialwissenschaftliche Überlegungen;Petra Muckel: Sprache, Körper, Erinnerung. Wechselwirkungen zwischenSprache und Körper; Katja Patzel- Matern: Schöne neue Körperwelt? Dermenschliche Körper als Erlebnisraum des Ich; Stefan Haas: Vom Ende desKörpers in den Datennetzen. Dekonstruktion eines postmodernen MythosDas zweite Kapitel enthält: Marcus Beling: Der Körper als Pergament derSeele. Gedächtnis, Schrift und Körperlichkeit bei Mechthild von Magde-burg und Heinrich Seuse; Thomas Scharff: Die Körper der Ketzer imhochmittelalterlichen Häresiediskurs; Kerstin Rehwinkel: Kopflos, aberlebendig? Konkurrierende Körperkonzepte in der Debatte um den Tod durchEnthauptung im ausgehenden 18. Jahrhundert; Gesa Kessemeier: ,, Die Kö-nigin von England hat keine Beine. Geschlechtsspezifische Körper- und