2001, Heft 4
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BARANZKE, Heike, Franz- Theo GOTTWALD, Hans Werner INGEN-SIEP( Hg.): Leben- Töten Essen. Anthropologische Dimensionen. Stutt-
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gart, Leipzig, S. Hirzel Verlag, 2000, 422 Seiten.
Thema dieser Anthologie ist die anthropologische Kernfrage ,, Was ist derMensch in Hinblick auf eine im abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Denken klassische Ant-wort darauf: ,, Der Mensch ist, was er iẞt". Da der Mensch Leben tötet, umzu essen, kreisen die hier versammelten Texte- die Auswahl reicht von derAntike bis zur Gegenwart- um das Verhältnis von Leben, Töten und Essen.Laut Einführung verwandeln diese Texte ,, mit quasi ethnologischem Blickden scheinbar banalen Akt der Ernährung in ein Instrumentarium zur gastro-sophischen Erschließung unserer abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Kultur“( S. 25).
Der Band ist in drei große Teile gegliedert, in denen es um das Lebenzwischen Materie und Geist, das Töten zwischen Rechtfertigung und Schuldund das Essen zwischen Individuum und Gemeinschaft geht, wobei dieTexte jeweils chronologisch angeordnet sind. Die hier nur unvollständigwiedergegebene Liste der Autoren und Autorinnen( letztere lediglich inverschwindend geringer Anzahl) reicht von Platon und Aristoteles überThomas von Aquin, Ludwig Feuerbach, Immanuel Kant, Charles Darwin,Henry David Thoreau, Friedrich Nietzsche, Albert Schweitzer, SebastianKneipp und Christoph Wilhelm Hufeland bis zu Bertolt Brecht, NorbertElias, Jacques Derrida, Jane Goodall und Hartmut Böhme. Entsprechendvielfältig und unterschiedlich präsentieren sich also auch die eingenomme-nen Perspektiven: religiöse, philosophische, psychoanalytische, naturwis-senschaftliche, soziologische oder kulturwissenschaftliche Positionen sindebenso vertreten wie künstlerische, lebensreformerische oder politische.Neben der Diskussion von grundsätzlichen Fragen und Problemen rund umdie im Titel des Buches angesprochenen Begriffsfelder beschäftigen sich dieTexte auch mit speziellen Themen wie dem Metzgerhandwerk, der Tier-zucht, der Tierschutzbewegung, den Pflanzenrechten, der vegetarischenKultur, dem Gottesessen oder dem Abendmahl. Abgerundet wird die Samm-lung durch kurze Angaben zu den Autor/ inn/ en sowie eine Auswahlbiblio-graphie. Die Einführung von Hans Werner Ingensiep und Heike Baranzkegibt einen Überblick zur Problemgeschichte der in dieser Anthologie aufge-worfenen Fragestellungen und vermittelt Lesehilfen und Hintergrund-informationen zu den weniger bekannten Autoren und schwieriger zu er-schließenden Texten.
Susanne Breuss