Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIII/ 102, Wien 1999, 359-369
Mitteilungen
Adelgard Perkmann – eine fachgeschichtliche Notiz
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Herbert Nikitsch
Adelgard Perkmann( 1897-1946) hat nur ein ,, schmales literarisches Werk"hinterlassen, und dem fachhistorischen Gedächtnis² gilt die langjährige( 1924–1938) Bibliothekarin des Wiener Vereins bzw. Museums für Volks-kunde bloẞ als eine Randfigur der österreichischen Volkskunde. Ob diesemarginale Existenz im Fach ihrer mütterlicherseits halbjüdischen Abstam-mung geschuldet war oder schlicht dem Faktum, eine Frau zu sein- beideszweifellos die längste Zeit einer wissenschaftlichen Karriere wenig förder-lich³, ob die Gründe in privatem Umfeld zu suchen sind oder in historischerRecherche nicht zugänglicher Persönlichkeitsstruktur: das sind Fragen, diehier nicht zu beantworten sind- und dies nicht nur der lückenhaften Quel-lenlage wegen. Von Interesse ist A. Perkmann ja in erster Linie nichtaufgrund ihres volkskundlich- wissenschaftlichen Wirkens; ihre fachge-schichtliche Bedeutung ist in einem anderen Rahmen zu sehen. Zum einen
1 Schmidt, Leopold: Adelgard Perkmann †. In: Österreichische Zeitschrift fürVolkskunde 50/1, 1947, S. 124 f., hier S. 125.
2 Neben dem Nekrolog Schmidts( wie Anm. 1) und einigen kurzen Bemerkungenin dessen Geschichte der österreichischen Volkskunde( wie Anm. 41) erinnert anPerkmann nur noch ein Nachruf Heinrich Jungwirths( 1945-1951 provisorischerDirektor des Museums für Volkskunde); Jungwirth, Heinrich: In memoriam Dr.Adelgard Perkmann 1. November 1897-25. Februar 1946. In: ÖsterreichischeZeitschrift für Volkskunde 50, 1947, H. 1, S. 125 f.
3 Siehe Hahn, Barbara: ,, Laẞt alle Hoffnung fahren...". Kulturwissenschaftlerin-nen vor 1933. In: Dies.( Hg.): Frauen in den Kulturwissenschaften. Von LouAndreas- Salomé bis Hannah Arendt. München 1994, S. 7-25; über die Situationin der Volkskunde s. Alzheimer, Heidrun: Frauen in der Volkskunde. Ein Beitragzur Wissenschaftsgeschichte. In: Harmening, Dieter, Erich Wimmer( Hg.):Volkskultur- Geschichte- Region. Festschrift für Wolfgang Brückner zum 60.Geburtstag(= Quellen und Forschungen zur Europäischen Ethnologie, BandVII). Würzburg 1990, S. 257–285. Zur jüdischen Volkskunde siehe etwa Daxel-müller, Christoph: Die deutschsprachige Volkskunde und die Juden. Zur Ge-schichte und den Folgen einer kulturellen Ausklammerung. In: Zeitschrift fürVolkskunde 83, 1987, S. 1–20.