Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIII/ 102

Insgesamt bietet der Band einen guten Überblick über wichtige Entwick-lungslinien des 19. Jahrhunderts und die Bedeutung einzelner Personengrup-pen wobei in der Einleitung betont wird, daß es ,, den Menschen" des 19.Jahrhunderts nicht gab und die Wirklichkeit noch unendlich vielfältiger,verwobener und komplizierter war, als es die Kapitel des Buches vermittelnkönnen. Geboten wird einerseits eine gut lesbare Zusammenfassung desaktuellen Forschungsstandes, andererseits finden sich aber auch immerwieder unbekannte und überraschende Ansichten des 19. Jahrhunderts.Überraschend und nicht ganz nachvollziehbar ist freilich auch, daß- obwohlvom ,, bürgerlichen 19. Jahrhundert die Rede ist- dem Bürger/ der Bürgerinkein eigenes Kapitel gewidmet ist. Diesen Mangel können die Beiträge übereinzelne bürgerliche Figuren wie den Arzt nicht ganz aufwiegen, auch wennin Rechnung gestellt wird, daß es ,, den Bürger nicht gegeben hat und dasBürgertum in sich sehr differenziert war. Aufgrund der weitreichendenBedeutung der normativen Entwürfe vom bürgerlichen Mann und von derbürgerlichen Frau wäre ein eigenes Kapitel über das Konstrukt ,, Bürger/ in"wünschenswert gewesen.

Susanne Breuss

LUIDOLD, Lucia, Romana ROTSCHOPF, Alfred WINTER, SabineFUCHS( Hg.): Frauen in den Hohen Tauern. Vom Korsett zum Internet.Neukirchen, Tauriska- Verlag, 1998, 294 Seiten, Abb.

,, Frauen in den Hohen Tauern. Vom Korsett zum Internet" war der gemein-same Übertitel von zwei unterschiedlich gestalteten Ausstellungen, die imJahresabstand zu sehen waren, und die Facetten regionalen Frauenlebens imSalzburger Anteil der Tauernregion( 1998) bzw. im Bezirk Lienz/ Osttirol( 1999) zeigten. Begleitend fanden jeweils ein gleichnamiges Symposiumsowie eine Reihe frauenspezifischer Veranstaltungen statt. Zudem lagenzwei Veröffentlichungen vor, die durchaus das Interesse einer sozialorien-tierten bzw.-engagierten Volkskunde verdienen.

Der durch zahlreiche Fotos optisch ansprechende und informativ gestal-tete Begleitband zur ersten, von einer 34köpfigen und fast ausschließlichweiblichen Arbeitsgruppe geplanten, vom Verein TAURISKA durchgeführ-ten und vielfach unterstützten Ausstellung, die 1998 im Kammerlanderstallin Neukirchen am Großvenediger gezeigt wurde, umfaßt Beiträge zumThema ,, Frauenleben, vor allem im Salzburger Pinzgau, aus sowohl histo-rischer als auch gegenwärtiger Sicht. Dabei geht es jedoch nicht um Schick-sale berühmter Frauen bzw. um deren Biographien, sondern um Arbeits- und