138ÖZV, LXXIX/128, 2025, Heft 2nicht, um die Grundthesen zu revidieren, sondern um zu zeigen, wiestark sie sich unter den Bedingungen der Generative‑AI‑Welle bestä-tigen und wo neue Konfliktlinien(Regulierung, Urheberrecht, Medi -enauthentizität) hinzugekommen sind.Fazit: Kate Crawford legt mit demAtlas der KIeine material-reiche und theoretisch fundierte Kritik der gegenwärtigen KI-Ent-wicklung vor. Ihre Analyse der planetarischen Kosten und sozialenVerwerfungen ist eindringlich und notwendig. Auch wenn das Buchstellenweise zu pessimistisch ausfällt und konkrete Alternativenschuldig bleibt, handelt es sich um einen unverzichtbaren Beitrag zurkritischen Auseinandersetzung mit einer der prägendsten Techno-logien unserer Zeit.cécile bründlmayerREZENSION VONJeremy DeWaal: Geographies of Renewal.Heimat and Democracy in West Germany, 1945–1990.Cambridge: Cambridge University Press, New Studies inEuropean History, 2025, 371 Seiten, einige Abbildungen.Der Historiker Jeremy DeWaal hat sich im Rahmen seiner Disser-tation mit der Bedeutung von Heimat in Westdeutschland zwischen1945 und 1990 auseinandergesetzt und danach gefragt, wie sich dasEmpfinden von Zugehörigkeit und der Prozess der Demokratisierungzueinander verhalten haben. Seiner These nach handelt es sich dabeium einen Forschungsgegenstand, der, so die populäre Annahme, inder bundesdeutschen Gesellschaft nach dem Mai 1945 keine Rollemehr gespielt und sogar als Tabu gegolten hat. Jeremy DeWaal willmit seiner Arbeit zeigen, dass diese Behauptung nicht korrekt ist. AlsKonzept istHeimatnach dem Untergang des Nationalsozialismusweder vollständig verfemt gewesen noch ausschließlich von reaktio-nären Kreisen besetzt worden. Aus der heutigen Perspektive wirdeine Beschäftigung mit dem Thema von manchen Stimmen im Dis-kurs mit dem Hinweis auf dessen ideologische Belastung geradezu